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Und mich nennt Ihr „Nazi“?!


Nach den fürchterlichen Äußerungen von Shikma Bressler und meiner dadurch ausgelösten Beschäftigung mit diesen Äußerungen, begegne ich wütenden Reaktionen verletzter, betroffener zionistischer Israelis. Ein immer wiederkehrender Satz lautet:“ und mich nennt Ihr Nazi“?!

Ich befand mich „in der Mitte“. Als ich etwa 8 Jahre alt war, las meine Mutter ein Buch über die Shoah. Die Bilder, das ganze Buch, machten mich neugierig. Das Buch hieß „für Diejenigen, die ich liebte“ von Martin Grey, der zwei Mal seine gesamte Familie verlor. Ein Mal in der Shoah und einmal in einem Brand. Ich habe das Buch gelesen, konnte aber das unsäglich Böse und die Trauer nicht verdauen. Wie der Schmetterling vom Feuer angezogen wird, fühlte ich mich auf unwiderstehliche Art und Weise von diesem Thema in den Bann gezogen. Ich begann, alles über die Shoah zu lesen. In der Bücherei habe ich mir Bücher über die Shoah ausgeliehen, Kinderbücher und ein Buch über die Shoah, immer wieder, Kinderbücher und ein Buch über die Shoah …(immer ein Kinderbuch, das den Schmerz und das Abscheuliche etwas „abfedern“ sollte). Dutzende Shoah Bücher, jedes Jahr, bis ins Erwachsenenalter. Auf meinen Schultern trug ich einen Teil des Schmerzes der Getöteten. Ich habe mich mit jedem Text und jedem Menschen identifiziert. Der Versuch, das Böse zu verstehen und der in meinem jungen Hirn gewachsene Traum, die Wirklichkeit zu verändern, wurden immer stärker. Seinen Ausdruck fand dieser Traum in einer Geschichte über die Shoah, die ich als achtjährige Drittklässlerin schrieb. Beigefügt ist ein Bild dieser Geschichte – ich war und bin keine begabte Schriftstellerin. Es ist durchaus möglich, dass ich von den vielen Geschichten, die ich gelesen hatte, beeinflusst war. Ich habe jedoch am Ende der Geschichte versucht, den Tod der Menschen zu vermeiden: ich habe ein fröhliches Ende gewählt. Diese Wirklichkeit gab es aber nicht…später schrieb ich zahlreiche Aufsätze über die Shoah. Ein weiteres Detail, wahrscheinlich auch ein Ergebnis der Shoah – ich habe den Glauben verloren. Ich habe nichts gegen gläubige Menschen; es handelt sich dabei um ein ganz persönliches Gefühl in mir. Mein zwölftes Lebensjahr habe ich während des Sabbaticals meines Vaters in Frankreich verbracht. Dort fand eine Demo von Neonazis statt und ich habe sie fotografiert. Ich habe ihnen gesagt, dass ich diese Bilder an die Zeitungen weiterleiten werde. Sie sind weggerannt. Die Fotos habe ich heute noch. Ich könnte noch jede Menge Geschichten erzählen. Als mein Vater zum Beispiel in Chile im Krankenhaus lag, traf ich im Supermarkt auf einen Nazi. Es waren echte Nazis, aus Deutschland. Er hatte gehört, dass ich aus Israel bin. Mit hochrotem Gesicht griff er mich an, nannte mich „Jüdin“, rammte mich mit seinem Einkaufswagen und zerriss meine Hose – ich bin ihm durch den ganzen Supermarkt nachgelaufen und DRAFTJS_BLOCK_KEY:35h72habe den Sicherheitsleuten laut davon berichtet. Ich habe allen erzählt wer das ist, dass wir heute den Staat Israel haben und dass er sich heute verstecken muss. Er ist aus dem Supermarkt verschwunden. In dem Moment war ich „blind vor Wut“, obwohl ich eigentlich wusste, dass es gefährlich war, dass es dort Nazi- und Neonaziorganisationen gibt. Ich bin ins Krankenhaus zurückgegangen, zu meinem Vater, der im Sterben lag. Ich habe ihm den Vorfall geschildert und ihn gefragt, ob er froh sei, dass ich so gehandelt hatte – ich konnte sehen, dass er sich freute. Mehr möchte ich nicht sagen ….

Ich möchte ganz klar vorausschicken, dass ich mich als liberalen Menschen verstehe, der fest an die Gleichheit aller Menschen glaubt. Daher sehe ich jeden Menschen zuallererst als Mensch, ganz unabhängig von seiner Herkunft, seinem Geschlecht oder seiner Hautfarbe, - ich beurteile den Menschen nach seinen/ihren ideologischen Werten, vor allem nach seinen/ihrer Taten. Es gibt gute Ideologien und es gibt mörderische, fürchterliche Ideologien. Zu den letztgenannten gehört auch der kolonialistische und jihadistische Islam, der den Mord an Ungläubigen, die Vergewaltigung ihrer Töchter, die Unterdrückung ihrer Frauen propagiert, der Millionen von Menschen ermordete, eroberte und verbrannte. Es gibt auch die kommunistischen Kolonialisten, die unter dem Deckmantel der „Rechte der Arbeiter“ Hunderte Millionen Menschen töteten. Und dann sind da natürlich die Nazis, die Krone der menschlichen Monstrosität, mit ihrer Verbindung von Wissenschaft und Sadismus, verwurzelt ich ihrem Rassismus. Ich bin der festen Überzeugung, dass man all diese Ideologien bekämpfen muss - im Namen der gesamten Menschheit.

Ich möchte meinen Zionismus vorstellen. Und die Shoah, als ausschlaggebenden Faktor in der Entwicklung meiner Einstellung.

Nein, ich gehöre nicht zur zweiten Generation der Shoah Überlebenden. Meine zionistischen Eltern sind in Chile geboren. Angesichts der Progrome in Russland, haben ihre Eltern rechtzeitig die Entscheidung gefällt, Europa zu verlassen. Trotzdem fühle ich mich manchmal als Angehörige der zweiten Generation der Shoah Überlebenden. Meine Eltern waren Zionisten, Intellektuelle, hochbegabt, sie waren sehr einfühlsame Menschen. Mein Vater, Louis Gomberoff, war Physikprofessor an der Universität Tel Aviv. Von ihnen habe ich den Zionismus geerbt. Er stellt zum Großteil eine Antwort auf dem Antisemitismus der Welt dar. Auch die Sensibilität der Shoah gegenüber habe ich von meinen Eltern. Man könnte sagen, dass die Shoah mein Wesen geprägt hat. Als ich noch klein war und andere Kinder meines Alters einfach fröhlich waren, wie es Kinder in dem Alter eben sind, trugen andere Kinder den Schmerz ihres Daseins als Kinder von Shoah Überlebenden in sich. Manche Überlebene haben es geschafft, ganz normale, fröhliche Familien zu gründen, was große Bewunderung verdient. Ein Teil dieser Kinder wuchs jedoch in eine sehr komplizierten Umgebung auf, mit Eltern, die das Erlebte nicht hinter sich lassen konnten. Das Leben in diesen Familien und die Last, die diese Kinder zu tragen hatten, war manchmal fast zu schwer für sie.

Ich befand mich „in der Mitte“. Als ich etwa 8 Jahre alt war, las meine Mutter ein Buch über die Shoah. Die Bilder, das ganze Buch, machten mich neugierig. Das Buch hieß „für Diejenigen, die ich liebte“ von Martin Grey, der zwei Mal seine gesamte Familie verlor. Ein Mal in der Shoah und einmal in einem Brand. Ich habe das Buch gelesen, konnte aber das unsäglich Böse und die Trauer nicht verdauen. Wie der Schmetterling vom Feuer angezogen wird, fühlte ich mich auf unwiderstehliche Art und Weise von diesem Thema in den Bann gezogen. Ich begann, alles über die Shoah zu lesen. In der Bücherei habe ich mir Bücher über die Shoah ausgeliehen, Kinderbücher und ein Buch über die Shoah, immer wieder, Kinderbücher und ein Buch über die Shoah …(immer ein Kinderbuch, das den Schmerz und das Abscheuliche etwas „abfedern“ sollte). Dutzende Shoah Bücher, jedes Jahr, bis ins Erwachsenenalter. Auf meinen Schultern trug ich einen Teil des Schmerzes der Getöteten. Ich habe mich mit jedem Text und jedem Menschen identifiziert. Der Versuch, das Böse zu verstehen und der in meinem jungen Hirn gewachsene Traum, die Wirklichkeit zu verändern, wurden immer stärker. Seinen Ausdruck fand dieser Traum in einer Geschichte über die Shoah, die ich als achtjährige Drittklässlerin schrieb. Beigefügt ist ein Bild dieser Geschichte – ich war und bin keine begabte Schriftstellerin. Es ist durchaus möglich, dass ich von den vielen Geschichten, die ich gelesen hatte, beeinflusst war. Ich habe jedoch am Ende der Geschichte versucht, den Tod der Menschen zu vermeiden: ich habe ein fröhliches Ende gewählt. Diese Wirklichkeit gab es aber nicht…später schrieb ich zahlreiche Aufsätze über die Shoah. Ein weiteres Detail, wahrscheinlich auch ein Ergebnis der Shoah – ich habe den Glauben verloren. Ich habe nichts gegen gläubige Menschen; es handelt sich dabei um ein ganz persönliches Gefühl in mir. Mein zwölftes Lebensjahr habe ich während des Sabbaticals meines Vaters in Frankreich verbracht. Dort fand eine Demo von Neonazis statt und ich habe sie fotografiert. Ich habe ihnen gesagt, dass ich diese Bilder an die Zeitungen weiterleiten werde. Sie sind weggerannt. Die Fotos habe ich heute noch. Ich könnte noch jede Menge Geschichten erzählen. Als mein Vater zum Beispiel in Chile im Krankenhaus lag, traf ich im Supermarkt auf einen Nazi. Es waren echte Nazis, aus Deutschland. Er hatte gehört, dass ich aus Israel bin. Mit hochrotem Gesicht griff er mich an, nannte mich „Jüdin“, rammte mich mit seinem Einkaufswagen und zerriss meine Hose – ich bin ihm durch den ganzen Supermarkt nachgelaufen und habe den Sicherheitsleuten laut davon berichtet. Ich habe allen erzählt wer das ist, dass wir heute den Staat Israel haben und dass er sich heute verstecken muss. Er ist aus dem Supermarkt verschwunden. In dem Moment war ich „blind vor Wut“, obwohl ich eigentlich wusste, dass es gefährlich war, dass es dort Nazi- und Neonaziorganisationen gibt. Ich bin ins Krankenhaus zurückgegangen, zu meinem Vater, der im Sterben lag. Ich habe ihm den Vorfall geschildert und ihn gefragt, ob er froh sei, dass ich so gehandelt hatte – ich konnte sehen, dass er sich freute. Mehr möchte ich nicht sagen ….



Ich verurteile jeden Vergleich mit der Shoah, von rechts und von links. Wenn diese Vergleiche jedoch von geschätzten Eliten angestellt werden, von Menschen, die als Wortführer angesehen werden, die sie einer ganzen Gruppe von Menschen wie mich entgegengeschleudern, ist das unerträglich. Radikale Professoren und Forscher, die die Ressourcen akademischer Einrichtungen in Israel genießen, um Israel zu verunglimpfen und dabei jeden Professor und jeden Studenten terrorisieren, der nicht so denkt wie sie. Die Zeit ist gekommen, dieser Verwerflichkeit ein Ende zu setzen.

Wer seid Ihr, Akademiker, wo immer Sie auch sein mögen, die, wie ich bedauere und befürchte, in so vielen Fällen die Shoah heraufbeschwören, um gerade Israel zu verunglimpfen und die die Zionisten, wie mich (und ihre Knesset Abgeordneten) als „jüdische Nazis“ bezeichnen... Geht zurück in den Geschichtsunterricht. Oder schweigt wenigstens – vor Scham darüber, was aus Euch geworden ist. Ihr seid, wie es Bressler mit ihrer Handbewegung dargestellt hat: „so klein“.

Aber auch Du, Bressler, bist „so klein“.


Und Du, Shikma, (vertreten durch Knesset Abgeordnete) hast mich „jüdische Nazi“ genannt.


Schließt Euch meinem Aufruf an!

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